Holger Wirth, Vice President Product Management Smart Factory Automation ISRA VISION GmbH. (Bild: ISRA VISION)

Mit KI wird die Integration von IBV-Systemen einfacher

Die Industrielle Bildverarbeitung ist hochgradig etabliert und aus der industriellen Produktion nicht wegzudenken, sagt uns Holger Wirth, Vice President Product Management Smart Factory Automation bei der ISRA VISION GmbH. Er betont, dass es für Fachbesucher sehr wichtig ist, wieder persönlichen Kontakt zu den Herstellern zu suchen, etwa auf der nächsten Control im Mai 2022.

 

Herr Wirth, wie geht es der Branche der Industriellen Bildverarbeitung?

Grundsätzlich positiv. Die Anfragen der Kunden sind vorhanden. Allerdings ist die Lieferfähigkeit aufgrund der Materialverknappung ein schwieriges Thema. Zudem sind die Margen extrem in Gefahr, da die Materialkosten enorm steigen und nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden können.

 

Welches sind derzeit vorrangige Themen, mit denen sich die IBV-Unternehmen befassen?

Die Branche ist stark beeinträchtigt durch das Thema Materialverknappung. Elektronische Komponenten haben enorme Lieferzeiten, zum Teil mehr als ein Jahr für Kamerachips. Das führt zu immensen Zusatzaufwänden im Sourcing, aber auch bei R&D, da einige Produkte umgestaltet werden müssen.

 

Die industrielle Qualitätssicherung (QS) gilt in der Produktion – vor allem automatisiert als Inline-Kontrolle während der Fertigung – als entscheidender Schritt der Produktherstellung. Welchen Stellenwert hat hier inzwischen die IBV?

IBV ist hochgradig etabliert und aus der industriellen Produktion nicht wegzudenken. Moderne Methoden aus der KI machen es den Kunden nun noch einfacher, Systeme zu integrieren, insbesondere um manuelle Sichtprüfungen zu ersetzen.

 

Was sind die Wachstumstreiber der IBV im industriellen Umfeld?

Embedded Systems, KI basierte Systeme, Robotik-Anwendungen

 

Durch welche neuen Technologien wird die moderne IBV gestützt?

Neben den klassisch eingesetzten CPUs gibt es vermehrt Hardware, die neuronale Netze perfekt unterstützen, zum Beispiel GPUs oder Vision Processing Units, die sehr rechenstark, aber trotzdem effizient sind. Daraus ergeben sich neue Konfigurationsmöglichkeiten hinsichtlich Edge-Computing.

 

Gibt es Hemmnisse oder spezielle Herausforderungen, die die Entwicklung der IBV bremsen?

Die richtige Beleuchtungskonfiguration zu finden, ist nach wie vor eine wichtige Aufgabe, für die man einen Fachmann benötigt. Hier ergeben sich für den Endkunden die größten Herausforderungen.

 

Bei der QS und eben auch der IBV geht es um Sicherheit, Qualität, Zuverlässigkeit, Null-Fehler-Produktion. Wie weit lässt sich Perfektion im realen Fertigungsumfeld treiben?

Zuverlässigkeiten von 99,9 Prozent sind heute schon Realität. Darüber hinaus sind die Systeme enorm robust und müssen über eine äußere Reinigung hinaus in der Regel wenig gewartet werden.

 

Vom 03. bis 06. Mai 2022 wird die 34. Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung, stattfinden, bei der das Thema IBV einen wesentlichen Part einnimmt. Wie wichtig erachten Sie es, dass sich die Branchenteilnehmer endlich wieder persönlich und live treffen und am konkreten Objekt miteinander diskutieren?

Die Messe VISION im letzten Jahr hat gezeigt, dass es den Fachbesuchern sehr wichtig ist, wieder persönlichen Kontakt zu den Herstellern zu suchen. Sicher konnte die digitale Kommunikation erst einmal die pandemiebedingte Kommunikationslücke füllen, aber ein persönliches Gespräch und auch das „Anfassen“ eines Systems oder einer Komponente ist einfach intuitiver. Man „schlendert“ auch gerne mal über eine Messe und lässt sich von Ausstellern und Neuheiten überraschen. Dieses Gefühl kann eine digitale Messe einfach nicht erzeugen.

Perfektion für spiegelnde Bauteile – 3D-Oberflächeninspektion mit Deflektometrie. (Bild: ISRA VISION)